ZUR AUSSTELLUNG

Politische Plakatkunst Wilhelm Zimmermann
Der Grafiker und DesignerWilhelm Zimmermann hat 30 Jahre lang, von 1970 bis 2000, „die Geschichte des politischen Plakats in Deutschland entscheidend mitgestaltet und nachhaltig geprägt“ (Hilmar Hoffmann). Einige seiner Arbeiten wurden zu den bekanntesten Zeichen ihrer Zeit. Das Institut für Stadtgeschichte zeigt eine Auswahl der Originalplakate – vor der Betextung und manche mit Spuren ihrer Nutzung.
Thema der Plakate ist in erster Linie Angst: Angst um Arbeitsplätze und Sozialabbau, Angst vor totaler Überwachung, vor neuen Herrschaftsformen, vor Krieg, Hunger, Verfolgung und Folter, um das Leben und die Erde. Die Auswahl umfasst aber auch Motive, die Hoffnung erwecken. Sie trotzen den Bedrohungsszenarien mit Visionen ihrer Abwendung und Überwindung.
Bewusst verzichtet die Ausstellung auf den Text, den politische Plakate zur genauen Bestimmung ihres Zweckes in der Regel aufweisen. Ohne die rationale Erweiterung der bildlichen Botschaft tritt ihr affektiver Gehalt stärker hervor, wird ihre Aussage unmittelbar sinnlich erfahrbar. Zudem machen die textfreien Bilder deutlich, dass ihre Botschaften über Zweck und Zeitpunkt ihrer Produktion hinausreichen: so zeigt sich ihre Aktualität im Hier und Jetzt.
Wilhelm Zimmermann, ehemals Kreativer in einer der größten Werbeagenturen der Welt, besann sich 1970 auf ein neues Metier: die Gestaltung
politischer Plakate und der Titelbilder von Gewerkschaftszeitungen, insbesondere der Industriegewerkschaft Metall.
Der Künstler führt in regelmäßigen Abständen durch die Ausstellung.
Dr. Michael Fleiter (Kurator)
Titel: Wilhelm Zimmermann „Wir da oben die da unten“,
DG-Titel Dezember 1984 © Design Wilhelm Zimmermann


Wilhelm Zimmermann „Wir da oben die da unten“, DG-Titel Dezember 1984 © Design Wilhelm Zimmermann

Wilhelm Zimmermanns Plakate sind ästhetische

Anschläge auf eingespielte Wahrnehmungsmuster.
Gott, wie langweilig, das wissen wir doch schon alles! Wirklich? Wer dürfte sich frei dünken von alltäglicher Überlegenheit über das eingewohnte Alltägliche? Wilhelm Zimmermann schießt seine ästhetischen und politischen Implosionen mitten hinein in den Routine-Trott, in die bequeme Gedankenlosigkeit, ja, er ist absolut unfreundlich gegenüber jenen, die sich in Schablonen eingerichtet haben, er rüttelt eingeschlafene Nachdenklichkeit
wach.
Prof. Dr.Hilmar Hoffmann, Frankfurter Kulturdezernent 1970–1990


Kunst, die sich nützlich macht

Wilhelm Zimmermann hat nie den Anspruch auf Kunst gestellt, aber er hat einen nachhaltigen Beitrag zur visuellen Auseinandersetzung strittiger gesellschaftlicher Themen geleistet und damit zu einer öffentlichen Bilderkultur beigetragen. Seitdem der gestandene Werbemann vor dreißig Jahren vom Protagonisten des Konsums zum Verfechter für soziale Gerechtigkeit, für die Rechte von Arbeitnehmern und für ein erhöhtes Problembewusstsein gegenüber Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung wurde, hat er eine Bildsprache entwickelt, die der Diskussion und nicht dem Schubladendenken Vorschub leistet.
Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident von 1998–2005


durchdringen, zu durchbrechen, bedarf es eines

ganz speziellen Mittels, eines Werkzeugs – angemessener ist die menschliche Hand, die mit einem Kunstgriff die Augen öffnet und zum genaueren Hinsehen einlädt und zwingt. Und über das erkennen wollende Auge wird aus dem potentiellen Zuschauer der Betrachter, dem, weil er näher herantritt, etwas auch nähergebracht wird. Ich meine das Plakat. Es reduziert, ohne auszulassen; es färbt, ohne zu übertünchen; es erhellt, ohne zu blenden; es beschwert, ohne zu erdrücken, es erweckt Hoffnung, ohne ins Schwärmen zu geraten.
Prof. Dr. Helmut Frenz, Amnesty International


Die gewollte Provokation wird zum Appell an die

Vernunft, die aggressive Ästhetik seiner Bilder zum Hilferuf für die Gedemütigten und Elenden.
Dem Betrachter wird die Chance des Entrinnens genommen: Der Künstler stellt die verharmlosende Scheinwelt der Ideologien und gesellschaftlichen
Machtkämpfe mit seiner pointierten Collagetechnik an den Pranger. Zimmermann steht dabei in der Tradition politisch engagierter Kunst. Karikatur
und Satire verlassen die Verspieltheit der Form, sie werden zur Anklage und zum Aufruf.
Wilhelm von Sternburg, Publizist und Filmautor


Wo das Herz von Wilhelm Zimmermann schlägt,

ist klar. Als er, 1936 geboren, nach zehn Jahren die Werbeagentur McCann in Frankfurt verließ und sich 1971 selbständig machte, wurde aus dem erfolgreichen Designer attraktiver Konsumwerbung ein engagierter Verfechter für mehr Gerechtigkeit, für eine bessere Welt: ein vermutlich längst überfälliger Wandel seines beruflichen Selbstverständnisses. Konstanze Crüwell, Frankfurter Allgemeine Zeitung
W


Zimmermann kommt es rigoros auf den „hook“ an,

auf den nachhaltigen Eindruck, der nicht vergeht. Das Bild übertreibt die in der Regel ohnehin schon
überdeutliche Überschrift. Man ärgert sich. Die Offensichtlichkeit macht die Größe und die Fragwürdigkeit der Foto- und Bildgraphiken Wilhelm Zimmermanns aus. Sie lassen keine Fragen offen…
Bosse, schreibt es Euch hinter die Ohren!
Kollegen, lasst Euch das nicht bieten! Ob beinahe zärtlich oder ätzend aggressiv: Zimmermanns Titelbilder zwingen zur Reaktion. Damit aber erfüllen
sie optimal ihren Zweck. Bild und Text scheinen ein kongeniales Liebespaar zu sein.
Prof. Dr. Felix Semmelroth, Frankfurter Kulturdezernent


Wilhelm Zimmermann baut seine Fotos sehr

sorgfältig auf, die Manipulationen werden genau ineinandergesetzt. Dabei werden diese synthetischen, neuen Bilder jedoch nie illusionistisch angelegt. Sie bleiben immer als Konstrukt erkennbar. Der Betrachter wird nicht zum Zuschauer, sondern zum Mitspieler, weil er jederzeit die Bausteine des Bildes nachvollziehen kann. Wilhelm Zimmermann hat damit eine ganz einmalige Darstellungsform entwickelt, die das Emotionale wie das Rationale anspricht.
Das Surreale in Wilhelm Zimmermanns Bildern ist erkennbar als Zusammensetzung unterschiedlicher Realien.
Prof. Dr.Klaus Klemp, Hochschule für Gestaltung Offenbach


Es ist richtig, wenn man Wilhelm Zimmermann

als politischen Plakatkünstler versteht. Einen von Rang. Zimmermann macht sich keine falschen Vorstellungen von der Welt. Da steht er, Grenzgänger, am Rande der Show illusionistischer Gaukler, die mit Kunst-Stücken einem verständnislos glotzenden Publikum den Nachtisch als Hauptgang servieren. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Rochus Kowallek, Kunst-Journalist, Art-Das Kunstmagazin


INSTITUT FÜR STADTGESCHICHTE

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EINTRITT: FREI


KÜNSTLERFÜHRUNGEN

KÜNSTLERFÜHRUNGEN SONNTAGS, 15 UHR
mit Wilhelm Zimmermann: 28. Juni, 26. Juli und beim Museumsuferfest
am 29. (Samstag) und 30. August 2015. Weitere Termine im Programm
des Instituts für Stadtgeschichte oder unter www.stadtgeschichte-ffm.de
Treffpunkt: Karmeliterkloster, Dormitorium
Veranstalter: Institut für Stadtgeschichte / Dauer: 60 Minuten
Kosten: 6 €, ermäßigt 3 € bzw. Button Museumsuferfest (7 €)


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